Der GeschmackVenezuelas

Wurzeln

Zuckerrohr und Papelón

In El Tocuyo wurde 1578/79 bereits Zuckerrohr angebaut und etwas Zucker hergestellt; zu Beginn des 17. Jahrhunderts finden sich Trapiches und Ingenios in mehreren Teilen der Kolonie.69

Aus dem Rohr entstanden Zucker, Melasse und vor allem Papelón. Wie er gemacht wurde, sah der Reisende Pál Rosti um die Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Saft wurde in drei Kesseln zu einem dicken Sirup eingekocht und in kegelförmige Tongefäße gegossen. Die erkalteten Kegel wickelte man in getrocknete Plátanoblätter. Außer in den vornehmen Häusern nahm man Papelón statt Zucker, in den Llanos aß man ihn sogar wie Brot, mit einem Stück Käse.70 Im 18. und frühen 19. Jahrhundert erscheint er als Nahrung und Süßungsmittel, zugleich als Grundlage für Guarapo, verschiedene Getränke auf Zuckerrohrbasis; aus Zuckerrohrprodukten wurde außerdem Aguardiente gebrannt, aus dessen Geschichte später auch der venezolanische Rum hervorging.71

Mit dem Zucker veränderte sich zugleich, was aus den Früchten des Landes gemacht wurde. Juan de Pimentel beschrieb 1578 in Caracas die Guayaba und bemerkte, aus ihrem Fruchtfleisch werde eine conserva hergestellt „wie aus Quitten“.72 Eine amerikanische Frucht wurde damit nach einer bereits bekannten Konservierungstechnik verarbeitet. Aus Guayaba, Lechosa, Hicaco, Piña oder Guanábana entstanden im Laufe der Zeit Jaleas, Confituras und Dulces; andere Zubereitungen verbanden Papelón mit Yuca, Batata oder Auyama.73

Wie selbstverständlich diese Verbindung geworden war, zeigt José Antonio Díaz 1861. In El agricultor venezolano erklärte er die Grundtechnik der Dulces und Conservas über die Meladura, einen Sirup aus Papelón, Zucker oder eingekochtem Zuckerrohrsaft, in dem anschließend die vorbereitete Frucht gekocht wurde. Gleich danach wandte er die Technik auf grüne Lechosa an.74

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