Chorote, ein Getränk aus wenig Kakao, viel Wasser und einem großen Stück grobem Zucker, gehörte nach Depons zur Kost versklavter und freier Schwarzer.75 Derselbe Kakao war eine wichtige Ausfuhrware.
Im 17. Jahrhundert ging er vor allem nach Mexiko, im 18. Jahrhundert zum größeren Teil nach Spanien, seit 1730 auch auf den Schiffen der Real Compañía Guipuzcoana, einer spanischen Handelsgesellschaft.76 Die reichen Familien von Caracas nannte man grandes cacaos, die großen Kakaos.77 Mit Kakao wurden auch Menschen bezahlt: 1734 gab ein englisches Paketboot 92 Versklavte gegen 1.150 Fanegas Kakao ab, gemessen in einem alten spanischen Hohlmaß.78 Bis 1810 wurden mehr als 120.000 Menschen aus Afrika nach Venezuela verschleppt, den Schmuggel nicht eingerechnet.79 Wie die Ausfuhr und die tägliche Versorgung zusammenhingen, zeigt sich am deutlichsten dort, wo neben den Kakaobäumen die Felder der Versklavten lagen.80
Kakaobäume wuchsen im Land schon, bevor es die großen Haciendas gab; 1611 zählte man im Westen mehr als 100.000 Bäume ohne Besitzer.81 Eine Anleitung von etwa 1750 beschreibt, wie man eine Hacienda gründet. Zuerst säte man Mais und Yuca, dann gab Plátano, die Kochbanane, den jungen Kakaobäumen Schatten, bis höhere Schattenbäume ihn auf Dauer übernahmen. Danach wurde der Plátano entfernt, nachdem er schon zum Verkauf und zur Ernährung der Versklavten gedient hatte. Für jeweils tausend Bäume rechnete die Anleitung mit einem arbeitsfähigen Versklavten. Frauen und Kinder sammelten die Kakaofrüchte in Körben.82 Am ertragreichsten waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Barlovento und die Täler des Tuy.83 In Chuao arbeiteten zu Beginn des 19. Jahrhunderts 151 Versklavte in den Kakaopflanzungen.84
Ernähren mussten sich die Versklavten zu einem guten Teil selbst. In Chuao blieben ihnen nach den Anweisungen von 1767 zeitweise nur der Samstag und der Sonntag für die Arbeit im Conuco, ihrem kleinen Feld zur Selbstversorgung; dazu hielten sie einige Hühner und manchmal ein Schwein. Eine Ration bekamen nur diejenigen, die kein eigenes Feld führen konnten. Das Reglement von Chuao aus dem Jahr 1817 zählt zu ihnen unter anderem Kinder unter neun Jahren, Alte über sechzig, Kranke und Neuankömmlinge; ausgegeben wurden Mais, Yuca, Reis, Plátano und Rindfleisch.85 Vom Kakao erhielten die Arbeitenden nach der Anleitung von 1750 in der Ernte eine Ration zum Trinken.86 Dazu bereiteten sie sich Guarapo.87
Depons, der über die Versklavten herablassend urteilte, schrieb, die Ration der Haussklaven für den ganzen Tag reiche kaum fürs Frühstück.88 Alexander von Humboldt sah auf einer Hacienda Versklavte und freie Arbeiter, die Arepa und Casabe, also Brot aus Mais und Yuca, in die Milch des Kuhbaums tunkten.89 Außerhalb der Haciendas tauchen dieselben Fragen von Anbau und Versorgung in den Akten über die Cumbes, Siedlungen Geflohener, wieder auf. 1790 wurden bei Caucagua kleine Conucos erwähnt.90 Bei Festnahmen um 1795 beschlagnahmte man Kakao und Mais sowie Kugeln aus gemahlenem Kakao.91 Im Cumbe von Ocoyta galt Ubaldo, „der Engländer“, als Vermittler zu Kaufleuten, die den Geflohenen Kakao abkauften;92 von einer anderen Gruppe ist gemeinsamer Anbau überliefert, dessen Erzeugnisse freie Schwarze in den Städten verkauften.93
Der Kaffee folgte dem Kakao. Am Orinoco hatte José Gumilla ihn bereits vor 1741 selbst ausgesät. Er schrieb, die Pflanze sei so gut gewachsen, dass sich das Land für reiche Ernten eigne.94 Noch war das ein Versuch. 1755 gingen 156 Pfund Kaffee von La Guaira nach Cádiz; in den 1780er Jahren wurde er bereits im Tal von Caracas angebaut.95 Zwischen 1810 und 1831 überholte der Kaffee den Kakao in der Ausfuhr.96 Seit den 1860er Jahren wuchs der Anbau besonders stark in den Anden; in den 1890er Jahren kam mehr als die Hälfte des venezolanischen Kaffees von dort.97 Bis 1925 blieb Kaffee das wichtigste Exportgut des Landes; 1926 löste ihn das Erdöl ab.98
Der Guayoyo gehört in diese spätere Kaffeegeschichte. 1928 bezeichnete das Wort bei Rómulo Betancourt noch eine dünne Bohnenration; 1941 und 1942 ist es ausdrücklich für dünnen Kaffee belegt.99 Eine indigene Spur führt nach Lara: Alfredo Jahn dokumentierte 1927 im Gayón guayí für Wasser; schon Luis R. Oramas hatte 1916 gualli mit derselben Bedeutung verzeichnet. Ob daraus guayoyo entstand, ist jedoch nicht bewiesen.100