Seven fires oder Grillen wie in Argentinien

Wenn Männer über Kochbücher schreiben, dreht es sich irgendwann unweigerlich um das Eine: Fleisch & Feuer. Keine Sorge, es geht jetzt nicht um die 135. Variante einer Marinade für Holzfällersteaks (igitt), und auch nicht um die Grillbibel eines bekannten Kugelgrillherstellers (nicht gerade biblisch, aber ein durchaus schönes Buch).

Ein weiteres Grillbuch also? Nicht ganz, denn hier geht es ums Feuer. Um sieben verschiedene Garmethoden, die mit dem Feuer spielen, um genau zu sein. Die Rede ist von Seven Fires – Grilling the Argentine way, aus dem beim Aufschlagen die Funken der Begeisterung für diese Zubereitungsart geradezu herausstieben. Francis Mallmann, argentinischer Restaurantbesitzer und Fernsehstarkoch, stellt dabei seine verschiedenen Techniken vor und macht uns neben dem Asador, dem Spieß oder Eisenkreuz, auf dem ganze Tiere am Feuer gegart werden, mit Parrilla (dem Grillrost), Chapa (der Platte) oder dem Infiernillo (auch kleine Hölle genannt), genauso vertraut wie mit Horno de barro (dem Lehmofen), Rescoldo (glühender Asche) und Caldero (dem Kessel).

Mallmann stellt dabei Gerichte vor, die neben der Hitzequelle nur wenig weitere Ausrüstung benötigen. Lammschulter in Zitronenconfit und Kräutern mariniert, Felsenbarsch in der Salzkruste, Schweinekotelett in Honig-Gremolata, und natürlich das perfekte Steak, um nur einige Highlights zu nennen. Doch auch wenn Fleisch im Mittelpunkt steht, es dreht sich doch nicht alles um Fleisch. Gut die Hälfte der rund 100 Rezepte handelt von Vorspeisen, leichten Hauptgerichten, Beilagen, Desserts und verschiedenen Broten, die irgendwie mit dem Feuer in Kontakt kommen. Die berühmten argentinischen Empanadas, das Omelette Gramajo, oder die Pastete aus Kartoffeln und Hackfleisch zeigen dabei die Bodenständigkeit der Gerichte. Bei dem Salat aus geröstetem Kürbis, Minze, Rucola und Ziegenkäse, oder dem kurzgegrilltem Ricotta Salata mit Tomaten und Oliven zeigt sich Mallmanns Vorliebe für Feuergeröstetes.

Der Autor lässt keinen Zweifel daran, daß nur ein Holzfeuer das von ihm gewünschte Aroma erzeugt. Den leichten Rauchgeschmack sieht man den geschmackvoll angerichteten Rezepten auch förmlich an. Allerdings zählt er Holzkohle und Gasgrill als gleichwertig auf, und für manche Garmethode nennt er alternative Vorgehensweisen auf dem gewöhnlichen Küchenherd.

Neben den tollen Rezepten ist das Buch auch ein schönes Bilderbuch. Landschaften und Holzfeuer wechseln mit Fotos detailliert in Szene gesetzter Handgriffe ab. Die Bilder laden zum Nachkochen ein, und kurzweilige Geschichten rund um die Rezepte lockern das Buch auf. So z.B. die genaue Anleitung, wie man eine ganze Kuh am Spiess zubereitet. Ganz wichtig der Tipp, nebenbei ein Lamm zu braten, damit man mit seinen acht Helfern während der langen Nacht nicht verhungert. Und auch der Hinweis, einen Erdofen in einer Schubkarre zu bauen, wird manchen Homecook erfreuen, der nicht seinen Garten umgestalten möchte. Insgesamt überwiegen damit die alltagstauglichen Anleitungen, die neben einem Abschnitt über Basisrezepte und einer Beschreibung der verwendeten Ausrüstung mit einem umfangreichen Index abschliessen.

Wer die sonst üblichen Glaubenskriege über die einzig wahre Technik beim Grillen kennt, findet hier ein Buch, daß wieder das urtümliche Geschmackserlebnis in den Mittelpunkt stellt. Man fühlt sich fast an Oscar Wilde erinnert, der da sagte „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“. So verwundert es auch nicht, daß Mallmann nur noch im Nebensatz erwähnt, sein Fleisch stammt natürlich von Rindern, die sich ihr marmoriertes Fleisch auf den weiten Grasweiden Argentiniens angefressen haben. Wenn es denn so einfach wäre… Aber von gutem Fleisch soll ein anderes Mal die Rede sein. Und sobald die Aussentemperaturen dies zulassen, werden auch die besten Rezepte ausprobiert.

Autoren: Francis Mallmann und Peter Kaminsky
Fotos: Santiago Solo Monilor
Gebundene Ausgabe: 278 Seiten
Format: 25,4 x 22,4 x 2,5 cm
Verlag: Artisan (22. April 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1579653545

3 Gedanken zu „Seven fires oder Grillen wie in Argentinien

  1. Hallo Stephan,

    das Buch gibt es inzwischen auch auf Deutsch. Es heisst „Grillen Argentinisch: Die sieben Feuer Patagoniens“ und kann in jeder Buchhandlung bestellt werden.

  2. Hallo kann ich das Buch auch auf Deutsch haben und wo ???
    Mfg Mihm

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