Picanha oder das Schmetterlingssteak aus dem Tafelspitz

Ein Erfahrungsbericht, warum bei manchem allein schon dieses Wort einen Pawlowschen Reflex auslöst. Für alle anderen erst eine kurze Einleitung:

Als Picanha bezeichnet man in Brasilien ein Fleischstück vom Rind, welches vorzugsweise gegrillt, aber auch im Ofen zubereitet wird. Es zeichnet sich durch hervorragenden Geschmack und Zartheit aus. Mag es bei der Zubereitung regionale Unterschiede geben, so is(s)t man sich landesweit darüber einig, daß Picanha den Höhepunkt eines ordentlichen Churrascos markiert.

Seit jeher haben deshalb Brasilianer, und natürlich auch Brasilienurlauber, ausserhalb Brasiliens nach einer Quelle für Picanha gesucht. Picanha gibt es, seit es Rinder gibt, sie ist Bestandteil der Hüfte und jedes Rind hat zwei davon. Sie ist also keine Eigenheit spezieller brasilianischer Rinderrassen. In der Tat essen Brasilianer soviel Picanha, daß diese, vorzugsweise aus Argentinien, importiert werden muss. Es handelt sich also um einen speziellen Zuschnitt.

Fleischstücke werden oft nach anatomischen Gesichtspunkten geteilt, manchmal aber auch willkürlich mit dem Messer festgelegt. Schnell war klar, daß sich Picanha durch einen solchen willkürlichen Schnitt definiert und dieser im deutschsprachigen Raum im Prinzip als Hüftdeckel oder auch Tafelspitz bekannt ist.

Picanha

Nun kennt man Tafelspitz hierzulande als eine Wiener Spezialität, bei der das Fleisch gekocht wird. Dass es sich lohnt, dieses wunderbare Stück auch einmal auf den Grill zu legen, und welche Besonderheiten hierbei zu beachten sind, davon handelt dieser Artikel.

Eine Picanha hat ein Gewicht von etwa 1 – 1,5 kg und zeichnet sich hauptsächlich durch eine gut ausgeprägte Fettauflage aus. Hier erhältliches Tafelspitz ist deutlich schwerer, da es grosszügig geschnitten wird. Es kann leicht auf die richtige Grösse “gestutzt” werden. Schwieriger ist es mit der Fettauflage, da diese oft garnicht erst angefüttert wird, oder falls vorhanden, dem vermeintlichem Gesundheitsbewusstsein und damit dem Messer zum Opfer fällt. Erfahrungsgemäß stösst man bei vielen Metzgern aber auf offene Ohren und kann sich ein entsprechendes Stück Tafelspitz reservieren lassen. Natürlich spielen Rinderrasse und Fütterung eine Rolle und beeinflussen das Geschmackserlebnis. Wer ein entsprechendes Stück Fleisch von einem Aberdeen Angus – Ochsen mit Weidefütterung findet, und bereit ist den Preis zu zahlen, wird dies sicher nicht bereuen. Für einen typischen Picanha – Genuss ist das aber nicht nötig. Hier tut es das heimische Rind.

Seit kurzem ist Picanha jetzt auch im Grossmarkt erhältlich, und zwar aus Argentinien oder USA. Weitere Bezeichnungen lauten Aiguillette, Copertura della Scamone, Cap of Rump, Tapa de Quadril.

Zubereitet werden kann das Stück im Ganzen als Braten, auf dem Spieß oder in Hüftsteaks geschnitten. Gewürzt wird vor dem Grillen lediglich mit grobem Meersalz, und der ideale Zubereitungspunkt ist medium rare oder medium, keinesfalls durch, da es dann zäh und ungeniessbar werden kann. Sehr beliebt ist die Zubereitung am Spiess, der dann herumgereicht wird und jeder sich ein Stück abschneidet. Danach kommt der Spiess wieder auf den Grill und es wird eine neue Lage Fleisch gegart.

Die optimale Zubereitung ist aus meiner Sicht jedoch das Schmetterlingssteak aus dem Tafelspitz, in Brasilien “Bife de tira” genannt. Es ist gewissermassen das Filé Mignon der Picanha, und mit gut 800 g etwas für gestandene Fleischliebhaber. Der Schnitt erfolgt der Länge nach und verläuft damit quer zur Fleischfaser. Das Steak bleibt dadurch besonders saftig.

Steak aus dem Tafelspitz schneiden

Zunächst wird das Kernstück auf etwa 6 cm Dicke zurecht geschnitten. Dieses öffnet man dann mittig, wobei an der Stirnseite etwa 3 cm zusammen bleiben sollen. Die Fettschicht kann komplett aufgeschnitten werden:

Steak aus dem Tafelspitz schneiden

Zum Schluss klappt man das ganze Steak auf:

Steak aus dem Tafelspitz schneiden

Dieses Stück wird ordentlich mit grobem Meersalz gewürzt und kommt dann auf jeder Seite für ca 5. min auf den Grill. Die genaue Dauer variiert mit der Hitze der Glut und dem gewünschten Gargrad.

Steak aus dem Tafelspitz

Wem die 800 g Fleisch zuviel sind, kann natürlich auch zwei Steak à 400 g zubereiten. Den Fettrand kann man übrigens nach dem Grillen je nach Gusto abschneiden. Während dem Grillen ist er aber essentiell.

Steak aus dem Tafelspitz

Guten Appetit!

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Mal keine Kochbücher…

oder Selbstgekochtes fotografiert, sondern was mir sonst noch so vor die Linse kommt, unter anderem ein paar Bilder von der Kirschblüte in Japan:

Kappawolff - View my most interesting photos on Flickriver

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Umami

Umami ist das japanische Wort für “lecker, schmackhaft, herzhaft”. Es beschreibt eine Geschmacksempfindung, die nicht durch süß, bitter, salzig oder sauer, oder irgendeine Kombination davon erreicht werden kann. Umami wird deshalb gerne auch als fünfte Geschmackskomponente bezeichnet. Entdeckt wurde sie vor über 100 Jahren von einem japanischen Forscher, der diesen Geschmack in einem Algenextrakt fand. Als Hauptbestandteil dieses Geschmacks identifizierte er die Aminosäure Glutaminsäure, die auch in Fleisch, Käse, vollreifen Tomaten, Sojasauce, sowie in der Muttermilch vorkommt.

Natriumglutamat wird heute in der Lebensmittelindustrie in grossen Mengen eingesetzt und ist bei uns als profaner Geschmacksverstärker in Verruf geraten. Diese Geschmackskomponente zählt jedoch zur Grundlage der japanischen Küche und sorgt, richtig dosiert und kombiniert, eben für herzhafte, schmackhafte, natürliche Speisen. Welche Rolle Umami in der japanischen Küche spielt, beschreibt sehr schön das Kochbuch “Dashi and Umami”.

Glutamate sind natürlicher Bestandteil verschiedener Lebensmittel. Einer der Spitzenreiter mit über 2g / 100g ist eine bestimme Art von Seetang, Saccharina japonica, in Japan Konbu gennant. Konbu ist die Hauptzutat für Dashi, einer Brühe, die eine wichtige Rolle in der japanischen Küche spielt.

Weitere Zutaten für Dashi können getrocknete Thunfischflocken und getrocknete Shiitakepilze sein. Diese enthalten ebenfalls Komponenten, die die Wirkung von Umami verstärken. In “Dashi and Umami” sind die Grundlagen der verschiedenen Zubereitungsarten, sowie die verwendeten Zutaten sehr ausführlich beschrieben. Weiterhin werden eine Reihe von alltagstauglichen Rezepten vorgestellt, die es dem geneigten Homecook ermöglichen, mit leicht verfügbaren Mitteln und Zutaten selbst für ein wenig mehr Umami in seiner Küche zu sorgen. Verschiedene Jahreszeiten – Menüs, von japanischen Spitzenköchen zusammengestellt, sorgen für Inspiration bei den anspruchsvolleren Homecooks. Heston Blumenthal, Autor und Chefkoch des Fat Duck – Restaurants, zeigt ausserdem auf, wie westliche Gerichte von mehr Umami profitieren können. Hervorragende Fotographien machen das Buch schliesslich zu einem schönen Augenschmaus.

Autor: Heston Blumenthal
Gebundene Ausgabe: 162 Seiten
Format: 27,6 x 23 x 2,6 cm
Verlag: Publishers Group UK (9. April 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1897701935

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Ein Menü für 10 Euro p.P.

Blog-Event-LIV: Ein 3-Gang-Menü für unter 9,99 Euro pro Person?! (Einsendeschluss 15. März 2010)

1x Umrühren hat dazu aufgerufen, ein 3-Gänge-Menü für weniger als 10 € pro Person zu kochen. Ich habe davon erst gestern via NutriCulinary erfahren, konnte mich aber sofort für die Idee begeistern, und so habe ich mich heute gleich ans Werk gemacht, um noch vor Einsendeschluss einen Blogeintrag zu schreiben.

10 Euro klingt ja erstmal recht anspruchsvoll für diese Aufgabe. Ein ordentliches Steak, und schwupps weg ist das Geld… Spaß beiseite, natürlich essen wir nicht jeden Tag Steaks und 10 Euro reichen auch schon mal für das Mittagessen der ganzen Familie. Was mich also an dieser Aufgabe gereizt hat, ist ein möglichst exklusives Menü innerhalb dieser Grenzen auf den Tisch zu bringen. Ich habe mich dabei stark an der japanischen Küche orientiert (Japan – Kochkurs für Feinschmecker), und der Nachtisch ist einem brasilianischen Kochbuch (Cook Brazilian) entlehnt (mit selbstgemachter süsser Milch für die, die keine gezuckerte Kondensmilch mögen). Hier mein Menüvorschlag:

Räucherlachs-Tataki-Salat

Shake no tataki salada shitate

Hähnchenschenkel mit Teriyaki-Sauce, Misosuppe und Reis mit Erbsen

Tori no Teriyaki

Avocado Crème brûlée

Avocado Crème brûlée

Die Einkaufsliste für 4 Personen:

250 g Räucherlachs, am Stück  (etwa 25 cm lang und 7-8 cm breit) – € 7,50
250 g Biomöhren – € 0,50
1 Bund Radieschen – € 0,50
1 Minigurke – € 0,50
1 Limette – € 0,15
100 ml Olivenöl – € 0,50
1 EL geriebener Ingwer – € 0,20

4 Hähnchen-Oberschenkel (ca. 1 kg) – € 9,90
1 Tasse Reis – € 0,30
100 g Erbsen – € 0,25
1 Päckchen Misosuppe – € 1,00

2 Bio-Avocado – € 2,40
400 ml Milch – € 0,20
150 g Zucker – € 0,15
2 Limetten – € 0,30

Sake
Mirin
helle Sojasauce
Senf
Sesamkörner, frisch geröstet
Zwiebel
Knoblauchzehe
Schnittlauch

Räucherlachs-Tataki-Salat
Den Lachs zuerst auf der Hautseite für 30 sec. scharf anbraten, dann auf den restlichen drei Seiten jeweils für ca. 15 sec. Abkühlen lassen und in etwa 1 cm breite Scheiben schneiden. 3 EL Sojasauce und den Ingwer in einer Schale verrühren und die Fischscheiben zum Aromatisieren darin wenden. Gemüse in feine Streifen schneiden. Olivenöl mit dem Saft einer Limette, 1 TL Senf, 1/2 TL Salz, 1/2 TL Zucker verrühren und mit frischem Pfeffer würzen. Fisch auf den Tellern anrichten, etwas Gemüse darüber verteilen und mit der Senfsauce begiessen. Etwas Schnittlauch und Sesamkörner darüberstreuen und servieren.

Hähnchenschenkel mit Teriyaki-Sauce
Die Oberschenkel entbeinen, dabei überflüssige Haut abschneiden. Knochen zusammen mit einer Möhre, einer Zwiebel und Knoblauchzehe in 500 ml Wasser für ca. 25 min köcheln und dann abseihen. Misopaste zugeben. Reis kochen, die Erbsen kurz in der Hühnersuppe ziehen lassen und unter den Reis heben. Hähnchen auf der Hautseite mehrfach mit der Messerspitze einstechen. Die Zutaten für die Teriyaki-Sauce (6 EL Sojasauce, 6 EL Sake, 6 EL Mirin, 1 EL Zucker) in einem Topf erwärmen, bis der Zucker gelöst ist. Die Hähnchenteile in wenig Öl zuerst auf der Hautseite anbraten, bis die Haut schön braun ist. Wenden und weitere 10 min braten. Hähnchen aus der Pfanne nehmen und warmstellen. Die Teriyakisauce zum Bratfond geben und in 1-2 min etwas einkochen. Die Hähnchenschenkel wieder zugeben und für 2-3 min von beiden Seiten in der Sauce ziehen lassen, bis fast alle Sauce aufgenommen wurde. In Streifen schneiden und heiß servieren.

Avocado Crème brûlée
Milch und Zucker aufkochen und unter ständigem Rühren einkochen lassen, bis die Masse sähmig wird und sich goldgelb verfärbt (ca. 1 h). Alternativ kann man auch eine Dose gezuckerter Kondensmilch verwenden. Nach dem Abkühlen zusammen mit dem Fruchtfleisch der Avocado pürieren und mit dem Saft von 1-2 Limetten abschmecken. In Förmchen geben und die Oberfläche glattstreichen. Für 4 h kühlen. Mit einer dünnen Schicht Zucker bestreuen und mit dem Gasbrenner karamelisieren.

Die Gemüse stammen aus unserer wöchentlichen Biokiste, Fleisch und Fisch aus dem Großmarkt. Miso und Sake gibts auf jeden Fall bem Asiaten, evtl auch im Supermarkt. Das Miso kann man natürlich weglassen und ein Gemüsesüppchen servieren. Anstelle der Biohähnchen kann man Hähnchen im Supermarkt auch günstiger bekommen und dann entsprechend mehr Fleisch nehmen. Macht alles zusammen keine 30 Euro, das ökonomische Ziel ist also erreicht, und es wäre wohl noch eine Flasche Sake drin, für wer es mag. Zur Verdauung haben wir uns noch einen Matcha Latte Macchiato gegönnt. 1TL Matchatee mit warmem Wasser aufrühren und geschäumte Milch zugeben.

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Seven fires oder Grillen wie in Argentinien

Wenn Männer über Kochbücher schreiben, dreht es sich irgendwann unweigerlich um das Eine: Fleisch & Feuer. Keine Sorge, es geht jetzt nicht um die 135. Variante einer Marinade für Holzfällersteaks (igitt), und auch nicht um die Grillbibel eines bekannten Kugelgrillherstellers (nicht gerade biblisch, aber ein durchaus schönes Buch).

Ein weiteres Grillbuch also? Nicht ganz, denn hier geht es ums Feuer. Um sieben verschiedene Garmethoden, die mit dem Feuer spielen, um genau zu sein. Die Rede ist von Seven Fires – Grilling the Argentine way, aus dem beim Aufschlagen die Funken der Begeisterung für diese Zubereitungsart geradezu herausstieben. Francis Mallmann, argentinischer Restaurantbesitzer und Fernsehstarkoch, stellt dabei seine verschiedenen Techniken vor und macht uns neben dem Asador, dem Spieß oder Eisenkreuz, auf dem ganze Tiere am Feuer gegart werden, mit Parrilla (dem Grillrost), Chapa (der Platte) oder dem Infiernillo (auch kleine Hölle genannt), genauso vertraut wie mit Horno de barro (dem Lehmofen), Rescoldo (glühender Asche) und Caldero (dem Kessel).

Mallmann stellt dabei Gerichte vor, die neben der Hitzequelle nur wenig weitere Ausrüstung benötigen. Lammschulter in Zitronenconfit und Kräutern mariniert, Felsenbarsch in der Salzkruste, Schweinekotelett in Honig-Gremolata, und natürlich das perfekte Steak, um nur einige Highlights zu nennen. Doch auch wenn Fleisch im Mittelpunkt steht, es dreht sich doch nicht alles um Fleisch. Gut die Hälfte der rund 100 Rezepte handelt von Vorspeisen, leichten Hauptgerichten, Beilagen, Desserts und verschiedenen Broten, die irgendwie mit dem Feuer in Kontakt kommen. Die berühmten argentinischen Empanadas, das Omelette Gramajo, oder die Pastete aus Kartoffeln und Hackfleisch zeigen dabei die Bodenständigkeit der Gerichte. Bei dem Salat aus geröstetem Kürbis, Minze, Rucola und Ziegenkäse, oder dem kurzgegrilltem Ricotta Salata mit Tomaten und Oliven zeigt sich Mallmanns Vorliebe für Feuergeröstetes.

Der Autor lässt keinen Zweifel daran, daß nur ein Holzfeuer das von ihm gewünschte Aroma erzeugt. Den leichten Rauchgeschmack sieht man den geschmackvoll angerichteten Rezepten auch förmlich an. Allerdings zählt er Holzkohle und Gasgrill als gleichwertig auf, und für manche Garmethode nennt er alternative Vorgehensweisen auf dem gewöhnlichen Küchenherd.

Neben den tollen Rezepten ist das Buch auch ein schönes Bilderbuch. Landschaften und Holzfeuer wechseln mit Fotos detailliert in Szene gesetzter Handgriffe ab. Die Bilder laden zum Nachkochen ein, und kurzweilige Geschichten rund um die Rezepte lockern das Buch auf. So z.B. die genaue Anleitung, wie man eine ganze Kuh am Spiess zubereitet. Ganz wichtig der Tipp, nebenbei ein Lamm zu braten, damit man mit seinen acht Helfern während der langen Nacht nicht verhungert. Und auch der Hinweis, einen Erdofen in einer Schubkarre zu bauen, wird manchen Homecook erfreuen, der nicht seinen Garten umgestalten möchte. Insgesamt überwiegen damit die alltagstauglichen Anleitungen, die neben einem Abschnitt über Basisrezepte und einer Beschreibung der verwendeten Ausrüstung mit einem umfangreichen Index abschliessen.

Wer die sonst üblichen Glaubenskriege über die einzig wahre Technik beim Grillen kennt, findet hier ein Buch, daß wieder das urtümliche Geschmackserlebnis in den Mittelpunkt stellt. Man fühlt sich fast an Oscar Wilde erinnert, der da sagte „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“. So verwundert es auch nicht, daß Mallmann nur noch im Nebensatz erwähnt, sein Fleisch stammt natürlich von Rindern, die sich ihr marmoriertes Fleisch auf den weiten Grasweiden Argentiniens angefressen haben. Wenn es denn so einfach wäre… Aber von gutem Fleisch soll ein anderes Mal die Rede sein. Und sobald die Aussentemperaturen dies zulassen, werden auch die besten Rezepte ausprobiert.

Autoren: Francis Mallmann und Peter Kaminsky
Fotos: Santiago Solo Monilor
Gebundene Ausgabe: 278 Seiten
Format: 25,4 x 22,4 x 2,5 cm
Verlag: Artisan (22. April 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1579653545

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Manioc frites – besser als jede Pommes

Frittierte Manioks sind in Brasilien als Snack sehr beliebt. Dazu werden gekochte Manioks nach dem Abkühlen in Öl frittiert und mit Knoblauchsalz gewürzt.

Mandioca frita

Dazu schmeckt eine Caipirinha oder ein kühles Bier, und selbstverständlich auch ein Guaraná.

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Bobó de camarão – Garnelen in Kokosmilch und Maniokcreme

Bobó bezeichnet ein typisch brasilianisches Essen aus Bahia. Es ist von cremeartiger Konsistenz und beruht meist auf gekochten Maniok, die püriert mit Dendéöl, Paprika, Knoblauch und Tomaten zu einem Brei verarbeitet werden. Ursprünglich eine einfache Mahlzeit, wurde es im Laufe der Zeit hauptsächlich mit Meeresfrüchten verfeinert. Die Version mit Garnelen ist in ganz Brasilien bekannt und gehört auch bei uns zum regelmäßigen Bestandteil der Speisekarte.

Bobó de camarão

Dieses Rezept entstammt dem Buch “Cook Brazilian”. Dendéöl bekommt man im Brasil-Shop, Maniok normalerweise beim Asiaten.

Zutaten:

1 kg Garnelen mit Schale

1 Maniok von etwa 300 g

1 kleine rote Paprika

1 Frühlingszwiebel

1 Zwiebel

3 Zehen Knoblauch

1 Tomate

1 EL Tomatenmark

3 EL Dendéöl

etwas Butter

Saft einer Limone

250 ml Kokosmilch

100 ml Weißwein

250 ml Fischfond, kann aus den Schalen der Garnelen selbst gemacht werden

frischer Koriander

Salz, Pfeffer

Die Maniok schälen, in der Mitte durchschneiden und jedes Stück nochmal längs in vier teilen. Dabei die feste Faser in der Mitte der Wurzel entfernen. In Salzwasser ca. 20 min. kochen bis sie weich werden.

Die Schalen der Garnelen mit etwas Suppengrün in 300 ml Wasser etwa 25 min. auskochen. Abgiessen.

Zwiebel, Frühlingszwiebel, Paprika in kleine Würfel schneiden und im Dendéöl für 3 min. glasieren. Den zerdrückten Knoblauch zugeben, mit dem Weißwein ablöschen und zur Hälfte einreduzieren. Den Fischfond, die Kokosmilch, das Tomatenmark und die gewürfelte Tomate zugeben und für 10 min köcheln. Den gekochten Maniok durch eine Kartoffelpresse zur Kokosmilch geben und unter leichtem Rühren weitere 10 min köcheln, bis eine sämige Creme entsteht.

In der Zwischenzeit die geschälten Garnelen mit Salz, Pfeffer und dem Saft einer Limone würzen. In etwas Butter anbraten, bis sie rosa werden und anschliessend zur Kokosmilchcreme zugeben. Für 10 min. auf kleinem Feuer ziehen lassen und abschmecken.

Das fertige Gericht mit Koriandergrün bestreuen und servieren. Dazu schmeckt Reis, die Garnelen in der Creme ergeben aber auch alleine ein leckeres Gericht. Bom apetite!

Bobó de camarão

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Pão de queijo – Käsebrötchen aus Hessen

Jeder der schon mal in Brasilien war, kennt sie. Am Flughafen bereits sind sie zu finden, goldbraun und warm duftend gibt es sie an fast jeder Bar. Nach einem langen Flug schmecken sie zu einem Cafezinho einfach wunderbar. Pão de queijo, oder Käsebrötchen, werden aus Maniokstärke, frischem Minas-Käse und Eiern hergestellt. Die Teigmischung gibt es in Brasilien oft fertig zu kaufen, der Teig lässt sich einfach einfrieren. Irgendwann ist dieser Vorrat mal aufgebraucht, so daß es ans selber backen geht.

Die Zutaten sind nicht ganz trivial. Die beiden Maniokstärken (doce und azedo – süss und sauer, was so viel bedeutet wie einfache und fermentierte) gibt es in brasilianischen Läden, den Minaskäse muss man selbst aus frischer Milch und Lab herstellen, wenn man authentisch bleiben will. Viele Rezepte nennen Parmesan als Alternative, wodurch die Käsebrötchen einen kräftigeren Geschmack bekommen.

Frischer Minaskäse ist sehr fettarm, und es liegt nahe, in Hessen hierfür unseren Handkäse als Ersatz auszuprobieren. Tapiokastärke gibt es in jedem Asialaden und die Frage war, ob es mit diesen Zutaten auch funktioniert. Das Resultat ist hier zu sehen:

Pão de queijo

Die Käsebrötchen werden wunderbar locker und fluffig und schmecken angenehm leicht nach Käse.

Das Rezept stammt aus “Cook Brazilian” und wurde von mir leicht abgewandelt:

200 Gramm Handkäse

3 Eier

125 ml Milch

125 ml Wasser

60 ml Olivenöl

400 Gramm Tapiokastärke

Salz

Den Handkäse fein reiben und mit den Eiern cremig rühren. Milch, Wasser und Öl aufkochen und über die Stärke giessen. Salz zugeben und mit einem Kneter langsam zu einem homogenen Teig verrühren. Anschliessend die Eier-Käse-Mischung zugeben und für weitere 10 min kneten. Den Teig für mehrere Stunden, am besten über Nacht, ruhen lassen. Kleine Teigbällchen formen und im Backofen bei 160 °C für 15-20 min backen, bis sie goldgelb sind und nicht mehr zusammenfallen. Am besten warm geniessen!

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Der Geschmack Brasiliens

Brasilianische Kochbücher sind äusserst rar. Lang, lang ist es her, daß “Der Geschmack Brasiliens” in den Regalen stand. Das wundervolle Kochbuch von Ofélia Ramos ist längst vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. Und auch “Brasilien. Küche, Land und Menschen” von Monika Graff und Tania Tavares wird für zum Teil astronomische Preise nur noch gebraucht gehandelt. Einziger Longseller auf diesem Gebiet ist “ Brasilianisch kochen. Gerichte und ihre Geschichte” von Moema Parente Augel, das 1985 erstmals erschien und inzwischen in einer überarbeiteten Fassung erhältlich ist. Dabei gäbe es genug Auswahl an hervorragenden brasilianischen Kochbüchern, die es wert wären übersetzt zu werden. So zum Beispiel die Bücher der Reihe “A formação da culinária brasileira”, bei SENAC erschienen, oder der eine oder andere Titel, der sich zu den Gourmand Cookbook Awards verirrt. Absolute Weltklasse natürlich die Bücher von Alex Atala, dessen neuester Titel “Escoffianas brasileiras” nicht nur in Brasilien ganz neue Maßstäbe setzt. Ein bißchen Portugiesisch sollte man aber schon können, sonst macht das ganze keinen Spaß. Wer also nicht auf Originalausgaben zurückgreifen kann, hat kaum Auswahl an deutschen, oder wenigstens englischsprachigen Ausgaben.

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Jetzt sind erstmals gleich zwei neue Bücher erschienen, die von brasilianischen Köchinnen auf Englisch verfasst wurden. Bereits letztes Jahr erschien ” The Brazilian Table” von Yara Castro Roberts. Als ausgebildete Küchenchefin erzählt sie anhand der brasilianischen Geschichte die Entstehung verschiedener Essgewohnheiten, die natürlich neben indianischen auch starken portugiesischen und afrikanischen Einflüssen ausgesetzt waren und den jeweiligen klimatischen Gegebenheiten angepasst wurden. Sie führt durch die Regionen des Amazonas, Bahias, Minas Gerais und der Savanne Zentralbrasiliens. Einblicke in die kulinarischen Erbschaften des brasilianischen Königshauses sowie die Einflüsse deutscher, japanischer und libanesischer Einwanderer geraten dabei schnell zum Cliché und lassen eher die kulinarischen Irrwege denn die Vielfalt erahnen, die sich in diesem Land von der Grösse eines Kontinentes bietet. Die Rezepte sind ausführlich erklärt, die Zutatenliste allerdings eher unübersichtlich und durchgängig in Volumenangaben gehalten. So mag die Mengenangabe “eine Tasse Bohnen” in der Küche praktisch sein, beim Einkaufen finde ich das eher hinderlich.

Die Rezeptauswahl ist durchaus gelungen und autentisch und weckt viele Erinnerungen an meine über 10 Jahre in Brasilien. Einige Zutaten sind hier allerdings nur schwer zu bekommen und manche Gerichte geraten für unseren Geschmack zu süß, zu salzig oder zu kräftig. Das Buch enthält viele schöne Fotos, die Rezepte selbst sind leider nur spärlich bebildert. Die etwa 100 Rezepte erlauben naturgemäß nur einen sehr kleinen Einblick und hinterlassen insgesamt den Eindruck einer 14-tägigen Rundreise durch Brasilien.

Autoren: Yara Castro Roberts
Fotos: Richard Roberts
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Format: 25,7 x 21,1 x 2,8 cm
Verlag: Gibbs Smith Pub (2. Mai 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1423603153

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Einen ganz anderen Weg schlägt Letícia Moreinos Schwartz mit “Cook Brazilian” ein, erhält man hier eher den Eindruck, 14 Tage bei der Köchin und ihrer Familie Gast zu sein. Das kürzlich erschienene Buch enthält mit ebenfalls 100 Rezepten einen Querschnitt durch mehr oder weniger alltägliche Leckereien, die vor allem familientauglich und mit wenig Aufwand nachzukochen sind. Die eher klassische Kapiteleinteilung nach Snacks, Suppen und Salate, Hauptspeisen, Beilagen und Desserts sowie ein ausführlicher Index erleichtern dabei die Menüplanung. Die Rezepte sind sehr ausführlich erläutert, man merkt daß Chefin Letícia als Ausbilderin beim French Culinary Institute erfolgreich tätig ist. Zu jedem Rezept gibt es ein paar persönliche Anmerkungen der Autorin, sowie regelmäßig praktische Tipps und ein Glossar. Leider sucht man auch hier vergeblich ein Bild zu jedem Rezept, lediglich jedes dritte Gericht wird geschmackvoll, aber ohne jede Extravaganz in Szene gesetzt.

Chefin Letícia betont ausdrücklich, die Rezepte an den Geschmack ihrer zweiten Heimat USA angepasst zu haben. So kommen ihre Quindins mit der halben Menge Zucker aus, und Acarajé frittiert sie in einer Mischung aus Dendêöl und Rapsöl. Die Zutaten sind zumindest in gut sortierten Asialäden, oder aber im spezialisierten Onlinehandel erhältlich. Neben vielen traditionellen Gerichten findet sich auch die eine oder andere neue Idee, wie zum Beispiel Rucola-Salat mit Mangostreifen und geräuchertem Lachs, Lachs auf Caipirinha-Risotto oder die Avocado Creme Brûlée. Das Dessert-Kapitel ist dann auch mein Geheimtipp und für die Caipirinha-Pralinen werde ich mir wohl noch Pralinenform und Spritzbeutel zulegen.

Autoren: Leticia Moreinos
Fotos: Ben Fink
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Format: 24 x 21,6 x 2,2 cm
Verlag: Kyle Cathie (11. Februar 2010)
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1856269155

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Beide Kochbücher sind meiner Meinung nach ein wichtiger Beitrag, die brasilianische Küche dem ständig wachsenden Heer von interessierten Home Cooks näher zu bringen und ich würde mir wünschen, dass weitere brasilianische Chefs den Schritt wagen, im Ausland ihre kreativen Ideen zu publizieren.

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Smörgasbord

Wer an Essen denkt, denkt dabei nicht gleich an Schweden. Auch wenn eines meiner ersten Kochbücher ein schwedisches war, welches ich bei einem bestimmten Möbelhaus erstanden hatte, fiel mir bei schwedischer Küche lange Zeit nicht viel mehr als Knäckebrot und Köttbullar ein, die es in jenem Möbelhaus zu Essen gibt. Oder vielleicht noch der schwedische Küchenchef aus der Muppetshow, aus dem in der deutschen Übersetzung dann auch noch ein dänischer Koch wurde. Dabei schaffen es schwedische Köche regelmäßig auf die vorderen Plätze bei den alle zwei Jahre stattfindenden Bocuse d’Or Koch-Weltmeisterschaften.

Vor einigen Jahren hatte ich dann in Schweden die Gelegenheit, zu Weihnachten an einem besonders festlichen Smörgasbord teilzunehmen, das Aushängeschild der schwedischen Gastronomie und gewissermassen einer der kulinarischen Höhepunkte im Jahresverlauf. Dahinter verbirgt sich ein reichhaltiges Buffet schwedischer Köstlichkeiten, bei dem vor allem Fischliebhaber ganz auf ihre Kosten kommen und für das man sich viel Zeit nehmen sollte.

Von meinem letzten Kurztrip nach Göteborg konnte ich mit etwas Glück eine englische Ausgabe des Kochbuches „Smörgasbord“ mitbringen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass dieses Buch mit zwei Preisen beim nationalen Gourmand Cookbook Award ausgezeichnet wurde. So freut es mich umso mehr, hier das „Beste Schwedische“ und gleichzeitig das „Innovativste Kochbuch“ 2009 vorstellen zu können, zumal es hierzulande wenig bekannt zu sein scheint.

Die Rezepte in „Smörgasbord“ stammen von Gert Klötzke, deutschstämmiger Sternekoch und Gastprofessor an der Umeå University’s School of Restaurant and Culinary Arts, und Niclas Wahlström, Master Chef in Stockholm und Banquet-chef bei der letzten Nobelpreisverleihung. Die beiden Chefköche richteten auch das erste Arbeitsessen der EU-Ratsmitglieder unter der schwedischen Präsidentschaft in 2009 aus.

Der Untertitel „Alle klassischen Rezepte im modernen Stil“ lässt kaum vermuten, dass die Autoren nicht weniger als das grösste und umfassendste Buch über das traditionelle Buffet verfasst haben. Die verschiedenen Gänge werden im Stil der feinen, leichten Sommerküche, die neben delikatem Geschmack auch viel Genuss fürs Auge bietet, als kunstvoll angerichtete Häppchen in Szene gesetzt.

Das Kochbuch ist in acht Kapitel unterteilt, in Anlehnung an die verschiedenen Gänge beim Smörgasbord. Die einzelnen Kapitel behandeln Hering, Lachs und weitere Fische, kalte Platten, warme Speisen, Gemüse, Käse, Desserts sowie Kaffee, Kekse und feine Naschereien. Ein extra Abschnitt über verschiedene Saucen und anderen Beilagen inkl. verschiedenen Brotsorten, sowie ein kleines Schnapslexikon runden das Buch ab. Aus über 220 Rezepten kann man, je nach Anlass, sein eigenes Buffet zusammenstellen, wobei viele Speisen auch alleine eine komplette Mahlzeit ergeben würden.

Neben einer Liste der Zutaten sowie einer knappen und präzisen Anleitung wird jedes Rezept durch ein Foto des fertigen Gerichts ergänzt. Die Rezepte reichen dabei von einfach bis sehr aufwendig. Gewisse Grundkenntnisse werden vorausgesetzt, z.B. beim Räuchern von Lachs oder der Herstellung eigener Würste. Die Zutaten unterscheiden sich nicht grundlegend von deutschen Lebensmitteln, auch wenn einige wenige Zutaten hierzulande eher schwer zu bekommen sind, zum Beispiel Elchfleisch. Dies kann aber teilweise durch heimisches Wild ersetzt werden, ohne dass das Ergebnis hierunter leiden würde.

Das Kochbuch ist natürlich jedem Liebhaber skandinavischer Küche besonders zu empfehlen. Die grosse Auswahl an Rezepten wird aber vielen Geschmäckern und Gelegenheiten gerecht.

Autoren: Gert Klötzke; Niclas Wahlström
Fotos: Pelle Berglund
Gebundene Ausgabe: 248 Seiten
Format: 277mm x 228mm x 26mm
Verlag: Max Ström (21.09.2009)
Sprache: Englisch
ISBN-13: 9789171261717

Hier noch einige Eindrücke aus dem Buch:

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