Neue Kochbücher gesucht

Mein Schock über das Krankenhausessen bezog sich natürlich nicht auf die Qualität des Essens, denn die war völlig in Ordnung, sondern unter anderem auf die Diskrepanz zu meiner bisherigen Ernährungsweise. Fasten ist für mich aber auch ein probates Mittel, mit Krankheit oder anderen schwierigen Situationen entsprechend umzugehen. Und in solch einer befand ich mich nun ohne Zweifel. Zum einen hatte ich eine gehörige Portion Glück gehabt, denn auch heutzutage stirbt immer noch jeder zweite an den Folgen eines Herzinfarkts, weil die Symptome nicht, oder nicht rechtzeitig erkannt werden. Zudem stand ich ja weiter unter Beobachtung, denn auch die ersten Tage nach solch einem Eingriff besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Und es war noch überhaupt nicht klar, welchen Schaden mein Herzmuskel genommen haben könnte.

Nach zwei Tagen kam dann auch die Diätassistentin zu mir, sie muss das irgendwie persönlich genommen haben, daß mir ihr Essen nicht schmeckte. Ich erfuhr nun, unter welchen wertvollen Gesichtspunkten meine Kost zusammengestellt wurde. Daß es sowas wie einen Grund- und einen Leistungsumsatz gibt, und ich, der den ganzen Tag faul im Bett liegt, gar nicht so viel brauchen würde. Und überhaupt wären meine Laborwerte, für jemanden ohne Herzinfarkt gerade noch tolerierbar, nach einem Herzinfarkt nicht mehr akzeptabel und ich deshalb auf eine kalorien- und fettreduzierte Diät gesetzt wurde. Ich erfuhr aber auch, daß es innerhalb dieser Grenzen immerhin einen gewissen Spielraum gab, was die Auswahl an Speisen betraf und so wurden wir uns doch noch einig. Mit diesem geballten Wissen ging es dann wenig später schon nach Hause, denn man hatte mich bereits zu einer Reha angemeldet und dort würde man mir alles weitere erklären.

Bis es soweit war, dauerte es allerdings noch ein paar Tage und so stand ich zuhause vor dem Kühlschrank und der Frage, was nun? Einfach so weiter wie bisher wollte ich dann doch nicht, schliesslich kam ich mit knapp 3 kg weniger auf der Waage aus dem Krankenhaus und das fühlte sich gar nicht so schlecht an. Immerhin hatte ich ein Patientenmerkblatt mitbekommen, auf dem folgendes stand:

„Es wird eine kaloriengerechte, fettarme und ballaststoffreiche Ernährung empfohlen, die reich an Früchten, Gemüse und Kohlenhydraten ist, und vor allem wenig gesättigte Fette enthält.“

Das war leichter gesagt als getan, denn so gut wie keines meiner Kochbücher enthielt Nährstoffangaben und jedes Rezept einzeln berechnen? Und überhaupt, was bedeutet gerecht, arm und reich, viel und wenig? Vor allem, was bedeutet es für mich? Einen besseren Eindruck hinterliess da schon die Ernährungs – Broschüre meiner Krankenkasse. Aber auch das war mir noch nicht mundgerecht genug. Neue Kochbücher mussten also her.