Meine neue Herzdiät

Wer schon mal das Privileg hatte, im Rahmen einer Ernährungs- und Diätberatung eingefahrene Essgewohnheiten zu hinterfragen und kritisch zu bewerten, wird wohl zu schätzen wissen, hierbei auf die Unterstützung von in jeder Hinsicht kompetenten Fachkräften zählen zu können. Diese zerlegen zuerst deine gesamte Ernährung in einzelne Mahlzeiten, um sie sogleich auf Kohlehydrate, Eiweiß und Fette sowie die dazugehörigen Kalorien zu analysieren. Daraus extrahieren sie dann noch Omega-3-Fettsäuren und Transfette, Polysaccharide und Glukose, Aminosäuren und natürlich ganz viel Cholesterin und vielleicht ein wenig Chrom und Selen. Und behaupten dann, das optimale Verhältnis von Selen zu Omega-3-Fettsäuren auf einer kleinen Insel im östlichen Mittelmeer entdeckt zu haben, deren Bewohner seltener an Herzinfarkt leiden. Meine Frage, ob da ein kausaler Zusammenhang besteht oder ich jetzt nach Kreta umziehen müsste, blieb bisher allerdings unbeantwortet.

Mein Steak vor mir auf dem Teller war also kein Steak mehr, sondern nur noch ein Haufen chemischer Moleküle, die sich plötzlich an der Hand fassten und zu meinem Hohn Ringelreihen tanzten. Der Kontakt mit Natriumchlorid war mir streng verboten, dafür sollte ich jetzt viel mehr H2O zu mir nehmen. Mir wurde schlecht. Ich wurde immer dünner und kurz bevor ich mich ganz in CO2 auflösen sollte, erwachte ich aus diesem Alptraum. Ich beschloss, das halbe Periodensystem in einen grossen Topf zu werfen und mir daraus zur Stärkung ein anständiges Süppchen zu kochen. Denn meine wichtigste Erkenntnis lautete, gesundes Essen definiert sich nicht über den Gehalt an Kohlehydraten, Eiweiß und Fett. Niemand bleibt gesund bei dem Gedanken, Chrom zu sich zu nehmen.

Mein Suppenrezept:

5 mal 30 min wöchentlich mehr Bewegung
2 mal mehr Zeit zum Essen
½ Portionen
Viel mehr Gemüse, weniger Fleisch
nicht zu fett, nicht zu süß

Zubereitung:
Damit Essen nicht krank macht, muss ich mich zu allererst mehr bewegen. So wenig, wie ich mich bewegt habe, könnte ich gar nicht essen. Bewegung heisst für mich persönlich mindestens eine halbe Stunde mit Puls 120, fünf mal die Woche. Das mag für den einen schon zu viel sein und für andere viel zu wenig. Für mich ist es genau richtig und ich fühl mich toll dabei.

Keine Zeit fürs Frühstück? Das Mittagessen schnell verdrückt? Und dann am Abend vor Heißhunger viel zu viel in zu kurzer Zeit runterschlingen? Vergiss es, da macht das gesündeste Essen krank. Das Essen muss einfach Spaß machen.

Die ½ Portionen hiessen früher mal „Friss die Hälfte“, und wer es vornehmer mag, nennt es heute „Hara hachi bu“. Das sind dann zwar keine 50%, sondern 80%, aber die beziehen sich auch nicht auf das, was man bisher so verdrückt hat, sondern auf die Füllung des Magens. Und der passt sich ja den Gegebenheiten an.

Das ganze bereitet man öfter als bisher selbst zu. Mit viel frischen Lebensmitteln, bei denen man noch erkennt, was da eigentlich drin ist (und zwar nicht auf dem Verpackungsfoto)!

Weitere Rezepte findet man in fast jedem Kochbuch, die man nach den oben genannten Regeln nur noch leicht modifizieren muss.

3 Gedanken zu „Meine neue Herzdiät

  1. Wirklich gut geschrieben. Man könnte auch sagen, bei so einem Vortrag vergeht einem das essen komplett!
    Für mehr Bewegung kann ich dir auch einen Hund empfehlen. Den kocht und analysiert man nicht, sonder der zwingt einen dazu, täglich2-3h spazieren zu gehen. Das tut mir seit 4 Wochen gut.

  2. Pingback: Don Gusto – Meine neue Herzdiät von Chefkochbuch

  3. Ha,ha! Super! Sehr unterhaltsam! Ich hab mich gerade köstlich amüsiert über deinen Eintrag. Mit Verlaub werde ich einen Link auf meiner Seite posten. 😉 Bis bald.

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