Kochen mit (und für das) Herz

Auf diesem Blog ist es in letzter Zeit ein wenig ruhig geworden. Dies hat verschiedene Gründe, berufliche und private, gesundheitliche wie philosophische. Es gibt eben ab und zu  Begegnungen im Leben, nach denen sich alles ändern kann. So wie die mit dem Orakel in Matrix.

Der Eine oder Andere kennt das sicher auch, man fühlt sich müde und schlapp. Klar, zuviel gearbeitet, man müsste nur mal wieder Urlaub machen, ist alles ein wenig anstrengend momentan, das wird schon wieder. Doch auch nach dem spontan eingeschobenen Urlaub kehrt das Gefühl zurück, irgend etwas stimmt nicht. Der Hausarzt kann nichts finden, Cholesterin und Blutzucker sind nur ein klein wenig zu hoch, nichts Dramatisches. Und 2 – 3 kg abnehmen würde sicher nicht schaden, dann wäre auch der Blutdruck wieder völlig normal. Gar nicht krank ist aber auch nicht gesund, so in der Art eben. Man nimmt sich also vor, ein wenig gesünder zu leben, ein bißchen mehr Bewegung vielleicht. Gesund ernähre ich mich doch schon, nur etwas weniger essen, dann klappt das auch mit dem Abnehmen. Gleich nächste Woche fange ich damit an.

Und so gehen die Jahre ins Land. Doch dann geht alles ganz schnell: beim Toben mit den Kleinen bleibt einem die Puste weg, beim Treppensteigen fragt man sich, ob das immer schon so hoch war und dann ist da plötzlich so ein Schmerz in der Brust. Die Entscheidung, jetzt den Notarzt zu rufen, überlässt man(n) in dieser Situation besser nicht sich selbst. Das sofort durchgeführte EKG ist zur allgemeinen Verwirrung auch noch völlig unauffällig. Doch der Notarzt macht in dieser Situation das einzig richtige: „Sie kommen erstmal mit.“ Arbeitshypothese Herzinfarkt.

Die Arbeitshypothese hatte sich später im Krankenhaus bestätigt, nachdem die Laborwerte auf eine Art von Herzinfarkt hindeuteten, die im EKG nicht zu sehen ist. Bei der anschliessend durchgeführten Herzkatheteruntersuchung wurde auch gleich ein Stent in eines der Herzkranzgefässe eingesetzt. Das alles ging so schnell und reibungslos, daß man fast das Gefühl hatte, man könnte gleich am nächsten Tag wieder nach Hause und das Leben geht weiter, so als wäre nichts geschehen. Meine Prioritäten sollten sich für die nächsten Wochen und Monate allerdings ändern, genauso wie sich meine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten grundlegend ändern würden. Nicht, daß diese vorher extrem falsch gewesen wären. Aber auch (zuviel) gutes Essen kann nun mal krank machen, und wenn es noch so lecker schmeckt und gesund sein soll. Das alles war mir in diesem Augenblick nur noch nicht bewusst.

Seit diesem Augenblick sind jetzt 6 Monate vergangen. Keine Sorge, das Essen schmeckt mir nach wie vor wunderbar, genauso wie es immer wieder neue Kochbücher gibt, die mich noch begeistern können. Auf die Frage, was denn nun gut und gesund sei, bekommt man allerdings ebenso viele Antworten wie man Befragte vor sich hat. Ja selbst wissenschaftliche Publikationen zu dem Thema lassen sich oft mit den folgenden Worten zusammenfassen: Wir wissen es nicht. Jedenfalls nicht in einer allgemeingültigen Form.

Darum möchte ich erst gar nicht versuchen, hier die richtige Antwort auf diese Frage zu finden. Nur soviel: nach einer Reha inkl. Ernährungsberatung und rund 1.000 Fahrradkilometer später, sowie 14 kg weniger auf den Rippen glaube ich, eine für mich gültige Antwort gefunden zu haben. Welche Ernährung und welche Kochbücher mir dabei geholfen haben, davon möchte ich hier berichten.