Für Kinder in Malawi

Man nehme eine Handvoll renomierter Spitzenköche, würfele ein paar zufällig ausgewählte Rezepte zusammen und schmücke sie mit schönen Fotos, gebe dem ganzen einen wohlklingenden Namen und fertig ist ein neues Kochbuch. Wenn man das Ganze noch mit Schlagwörtern wie „Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP)“, Kinder, Hunger und Malawi, einem Land von dem die wenigsten wissen wo es liegt, verziert, ist es natürlich ein besonderes Kochbuch. Jetzt ist der dritte Band von „Spitzenköche für Hobbyköche“ auch auf Deutsch erschienen, der Vorgänger zählte 2008 zu den meistverkauften Titeln in den Niederlanden. Die Köche und andere Mitwirkende an dem Buch haben uneigennützig mitgearbeitet. Damit fliessen acht Euro pro Buch als Spende an das Schulspeisungsprogramm des WFP. Ingesamt strebt man Spenden in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro an, oder gut 7,4 Millionen Mahlzeiten.

Eine tolle Sache also. Nein, wirklich. Das Buch ist nett gemacht, die Rezepte, wenn auch nicht extra für dieses Buch erschaffen, sehr exklusiv, und acht Euro Spende bei einem Buchpreis von knapp zehn Euro lässt erahnen, dass hier nur die reinen Herstellkosten abgedeckt sind.

Es liegt mir fern, irgend etwas an dem ganzen Konzept zu kritisieren. Und doch macht es mich nachdenklich.

Mit 8 Euro ermöglicht man also vierzig Mahlzeiten für ein Kind in Malawi. Das sind 20 Cent pro Mahlzeit. Was bitte gibt es denn für 20 Cent? Die Webseite vom WFP klärt auf: 450 g Reis, 60 g Hülsenfrüchte, 2 EL Öl und ein bischen Zucker und Salz.

Jedesmal, wenn ich eines der 52 köstlichen Rezepte zubereite, sitzt also ein Kind in Malawi bei einem Teller Reis und Bohnen, gewissermaßen mit an meinem Tisch. Nicht, dass ich damit ein Problem hätte. Aber es relativiert das anonyme Gefühl des „Ich habe was Gutes getan“, oder? Was aber macht das Kind in Malawi, wenn ich mit dem Buch durch bin?

Nahrungsmittelhilfe ist ja nur der erste Schritt langfristiger Entwicklungsmaßnahmen. Ein chinesisches Sprichwort sagt:

„Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und er wird nie wieder hungern.“

Ich finde es gut, daß es Organisationen wie das WFP oder die Welthungerhilfe gibt. Die tun das, was ich nicht kann und doch so notwendig ist. Ich habe mit Kochbüchern „Fischen gelernt“ und würde mir wünschen, daß es den Kindern in Malawi oder sonst wo auf der Welt auch so ergeht.

Das Buch wurde mir unaufgefordert und kostenlos zur Verfügung gestellt. Es nennt sich „Spitzenköche für Hobbyköche“ und ist u.a. hier detailliert beschrieben, oder auch hier, und kann im Buchhandel bestellt werden.